Kein Kind darf verlorgen gehen!

Veröffentlicht am 30.01.2015 in Landespolitik

Kultusminister Andreas Stoch erläutert Bildungspolitik

„Jeder junge Mensch hat ohne Rücksicht auf Herkunft oder wirtschaftliche Lage das Recht auf eine seiner Begabung entsprechende Erziehung und Ausbildung.“ Als Andreas Stoch diesen Satz während seines Vortrags in Konstanz zitierte, schob er gleich die Quelle nach. Nicht etwa aus dem SPD-Wahlprogramm stamme diese Aussage. Es ist die Vorgabe des Artikels 11 der Landesverfassung. Etwa 140 Menschen waren gekommen, um mit dem Minister ´über Herausforderungen einer sozial gerechten Bildungspolitik zu sprechen. Sie erlebten einen sachlich argumentierenden Politiker, der der pädagogischen Arbeit für die Kinder den Vorzug vor ideologischen Schlachten um die richtige Schulform gibt.

So groß seien die politischen Unterschiede gar nicht mehr, arbeitete Stoch heraus: Die letzte trennende Frage zwischen Grünen und SPD auf der einen und der CDU auf der anderen Seite sei: „Muss ich Kinder in der Schule wirklich möglichst früh trennen?“ Selbst die CDU fordere mittlerweile ein gemeinsames Lernen bis zur sechsten Klasse, bevor stärker nach Leistungsgruppen differenziert werden solle. Der Streit gehe also nur noch um zwei Jahre. Obwohl alle Seiten nah beieinander liegen, sei 14 Monate vor einer Wahl nicht mit einem Schulfrieden, für den er täglich arbeite, zu rechnen.

Gesellschaftliche Veränderungen verlangen neue Antworten der Schulen verlangen: Innerhalb weniger Jahre sei die Schülerzahl um ein Fünftel zurückgegangen. Auflösende soziale Milieus schwächen den gesellschaftlichen Zusammenhalt, während gleichzeitig mehr Integrationsfähigkeit wegen der steigenden Zuwanderung notwendig wäre. Die Digitalisierung beschleunige der Veränderungen zunehmend.

Warum muss die Politik reagieren? Stoch argumentiert zunächst ökonomisch: „Jeder der in der Schule scheitert, kann nichts zum Erfolg unseres Landes beitragen.“ Immer noch haben ein Siebtel eines Jahrgangs keine abgeschlossene Schul- oder Berufsausbildung. Mit einer starken Förderung der beruflichen Schulen halte man dagegen: Erstmals gebe das Land über eine Milliarde Euro für diese Schulform aus. Es gebe zusätzliche Klassen, das Unterrichtsdefizit werde wirksam verringert. In allen Schularten soll die Berufs- und Studienorientierung verstärkt werden.

Wichtiger jedoch als die wirtschaftliche Seite ist für Stoch das Soziale: Bildung sichert eine grundlegende Übereinkunft über das gesellschaftliche Miteinander. Daher verteidigte er Ziele im Bildungsplan: Werte wie Respekt und Toleranz seien für eine offene Gesellschaft unverzichtbar. Schule müsse auch Antworten auf die Bedürfnisse der Familien geben: Baden-Württemberg hatte einen erheblichen Nachholbedarf in der Kinderbetreuung, da das traditionelle Familienbild der CDU Investitionen hier blockiert hatte: Mit dem Pakt für Familien mit Kinder habe das Land die Ausgaben für die Kleinkindbetreuung innerhalb weniger Jahre verfünffacht. Die Erfolge lassen sich sehen: In der aktuellsten  Vergleichsstudie steht Baden-Württemberg auf dem ersten Platz, was Betreuungsschlüssel und Betreuungsqualität betrifft.

Akuteller Investitionsschwerpunkt sei der Ausbau der Ganztagesschulen: Dabei liege der Focus zunächst im Bereich der Grundschule, die weiterführenden Schulen müssten dann später folgen. Stoch machte klar: Auch die Gymnasien müssen sich verändern, wenn diese Schulform mittlerweile 60 Prozent eines Jahrgangs unterrichte. Dies sei nicht auf den Wegfall der verbindlichen Grundschulempfehlung zurückzuführen, machte Stoch deutlich. Der Trend zu höhren Schulformen habe bereits vor Jahren eingesetzt.

Mittlerweile besuchen nur noch 23.000 Schüler die Eingangsklassen der Hauptschulen. Noch vor zehn Jahren seien es 40.000 gewesen. Diese Entwicklung habe zum Aus für über 400 Schulstandorte im Land geführt. Daher sei die Gemeinschaftsschule eine strukturell-pädagogische Antwort auf soziale Veränderung. Nur so hätten Kinder auch in ländlichen Regionen die Chance, alle Bildungsabschlüsse wohnortnah zu erwerben. Mittelfristig werde das Schulsystem in zwei Säulen gliedern, ist Stoch überzeugt: Das sehe auch eine seiner Vorgängerinnen so: Schon Annette Schavan habe entsprechende Konzepte erarbeiten lassen.

Stoch hält nicht viel von den Strukturdiskussionen „Es kommt nicht darauf an, was auf dem Türschild steht,“ sagte er zuvor dem Südkurier. „Die Qualität der pädagogischen Arbeit entscheidet.“ Wie  woran  erkennt man diese? „Ziel ist der bestmögliche Schulabschluss für jedes Kind,“ sagt Storz. So wie es die Landesverfassung vorgibt.

 

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Leni Breymaier

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